Belletristik: Genom

Paul ist frustriert. Gesellschaftlich
ausmanövriert und privat vor ein scheinbar unlösbares Problem
gestellt, hat er die Gegenwehr und damit sich aufgegeben. Doch
ein unerwarteter Lotteriegewinn bringt die Chance zu einem
Neuanfang. Wie schwer kann es sein, in diesen Tagen ein Kind auf
die Welt zu bringen?


Genom18 Seiten (DinA 5)


Genom entstand relativ kurz nach der
Fertigstellung von Hope – Reunification of Mankind und
ist vom Umfang her eher als Kurzgeschichte zu bezeichnen.
Anstatt viel Zeit auf die Abarbeitung eines kompletten
Buches zu verwenden (siehe Hope), war es hier Ziel die
Grundidee der Geschichte möglichst schnell umzusetzen.
Genom ist überdies Teil der Serie Fiction&Facts.
Alle Stories dieser Reihe basieren auf wahren
Begebenheiten und realen Gegebenheiten, und dies bis ins
Detail. Zur Erläuterung finden sich jeweils am Ende des
Buches konkrete Erläuterungen zum Hintergrund in Form
von Zeitungsauschnitten oder sonstigen Notizen.

Rezensionen :

Dieses Buch ist Teil der Serie Fiction &
Facts, welche in einem Band herausgegeben wurde.
Der Band enthält neben Sebenta die Fiction&Facts Stories Sebenta und SETI

Ausschnitt :
25.03.2318

Paul setzte sich seufzend in das Schwerelosigkeitsfeld im
Wohnzimmer und faltete die Hände hinter dem Kopf
zusammen. Magret war in der Küche und programmierte den
Küchencomputer für das Abendessen.
Paul fühlte sich ausgelaugt. Wieder einer dieser endlos
scheinenden Tage im Büro. Mit den sich ständig
wiederholenden Aufgaben und den allseits wiederkehrenden
Fragen am Visiphone. Kopfschüttelnd schloß er die Augen.
Er war dieser Monotonie überdrüssig. Mehr als das.
Manchmal merkte er den Zorn in sich aufsteigen und
fürchtete die Eskalation, die sich dahinter verbergen
würde. Die Furcht besänftigte den Zorn. Noch.

Paul war zweiundvierzig, bald dreiundvierzig, und seit
mehr als fünfundzwanzig Jahren in der Serviceabteilung
der Filiale von Destination Gourmet in Birmingham tätig.
Eine der weltweit größten
Lebensmittelhändlerunternehmungen. Er haßte diesen Job,
er war ihm zuwider. Doch schließlich hatte ihn der
Computer für diese Position herausgefiltert, als die
Stelle, die er ideal besetzen konnte. Die seinen
Fähigkeiten auf das Genaueste gerecht werde. Sein
gesamter genetischer Baukasten war in die Analyse mit
eingeflossen. Es konnte also keinen Zweifel geben. Seine
Stelle, sein Urteil.

Vergeblich hatte er versucht, eine Überprüfung der
Analyse durchführen zu lassen. ‘Der Computer irrt nicht’,
wurde er belehrt. Und nachdem erstmals aufgrund seiner
wiederholten Versuche den Computerbescheid anzufechten
die Anmerkung fiel, wenn die Position ihm offensichtlich
nicht entspräche wäre das doch ‘merkwürdig’, gab er
auf. Weiterzumachen wäre das sichere Ende gewesen.
Irgendwann wäre die Vermutung aufgekommen er könne
krank sein. Im 24. Jahrhundet gab es keine ‘Merkwürdigkeiten’,
keine ‘Krankheiten’ mehr und jede Gefährdung dieser
Tatsache wurde ‘beseitigt’. Paul hatte resigniert.
Er hörte Magret in der Küche leise vor sich hinsummen.
Sie war auch nicht mehr die Jüngste dachte Paul und
haßte sich für diesen Gedanken. Sie war seine große
Liebe. Er würde sie immer lieben und alles für sie tun,
was in seiner Macht stand. Er hatte am Traualtar
versprochen, alle ihre Wünsche zu erfüllen und konnte
es nicht. Magrets einziger Wunsch war ein Kind. Er konnte
nicht. Die Auktionen der gesetzlichen
Kinderzuteilungsgesellschaften lagen in diesen Tagen bei
etwa 180 Mio. USD und mit seinem Gehalt hätte er nicht
einmal ein Tausendstel davon aufbringen können. Nach der
Reglementierung der Weltbevölkerung konnten sich nur
noch die Reichen Kinder leisten und die Regierung
andererseits konnte das Geld aus der Rechteverwertung gut
gebrauchen.

„Es ist nicht deine Schuld" und „Nicht so
schlimm, Paul. Wir werden auch ohne Kinder glücklich
sein". Das hatte Magret gesagt. Oft. Und jedesmal
wußte er genau, daß das Gegenteil der Fall war. Sein
Schicksal war besiegelt. Computergesteuert besiegelt und
ad acta gelegt.

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